Sinnstiftende Organisationen: Utopie oder Realität

Die vier Entwicklungsstufen von Organisationen, die Laloux unterscheidet, beschreibt er wie folgt:

1. Tribal: Die tribale Organisationsform gründet sich auf der Macht des Anführers, er umgibt sich mit Vetrauten und beweist seine Stärke durch Ausübung der Macht gegenüber Untergebenen. Es herrscht Arbeitsteilung und Befehlsautorität, die allerdings fragil ist, da Loyalität nur im engen Kreis der Vertrauten gesichert ist, im chaotischen Umfeld hält Angst die Organisation zusammen. Beispiele für die tribale Organisationsform sind Straßengangs oder die Mafia.

2. Traditionell: Die traditionelle Organisationsform ist stark autoritär und zeichnet sich durch formalisierte Rollen und Prozesse aus. Sie zeigt sich in einer hierarchischen Pyramide. Strikte Prozesse sichern die Stabilität und Hierarchie. Beispiele für die traditionelle Organisationsform sind Armeen oder Behörden.

3. Modern: Die moderne Organisationsform ist dominiert durch Konkurrenz, Expansion und Profite, zentrale Managementinstrumente sind Zielvorgaben und Controlling. Um die Leistung zu steigern und im Wettbewerb zu bestehen, werden Innovationen wesentlich. Beispiele für diese Organisationsform sind multinationale Konzerne.

4. Postmodern: Die postmoderne Organisationsform greift weiterhin auf eine klassische Pyramidenhierarchie zurück, es rücken aber gemeinsame Werte in den Vordergrund. Die Einbindung und Motivation wichtiger Personengruppen werden wichtiger. Beispiele für diese Organisationsform sind kulturorientierte Organisationen.

Als nächste Stufe der Entwicklung benennt Laloux die integrale-evolutionäre Stufe, in der Organisationen sich zu sinnstiftenden Organisationen entwickeln und keine Machthierarchien mehr besitzen. Sie passen sich eigenständig und selbstorganisiert an sich verändernde Marktbedingungen an.

Für diese Organisationsform nennt Laloux vier zentrale Prinzipien des Managements und der Entscheidungsfindung:

Prinzip der Rollenübernahme: Machthierarchien werden durch Verwirklichungshierarchien abgelöst. Darunter versteht Laloux flexible, natürliche Hierarchien, in denen Menschen nach Fähigkeiten, Motivation und Bedarf Rollen übernehmen. Druck zur Leistungssteigerung wird unnötig, ins Blickfeld rückt die intrinsische Motivation, gute Beziehungen und die konkreten Marktanforderungen.

Prinzip der Teilhabe: Management im Sinne einer zentralistischen Führung wird durch Selbstmanagement ersetzt. Dabei wird jeder Teil des Managements und an der Macht beteiligt.

Prinzip der Verantwortung: Durch die Teilhabe an Entscheidungen und Macht sowie durch das Wegfallen des Drucks von oben wächst neben der Freiheit die Verantwortung des einzelnen. Probleme können nicht mehr auf andere insbesondere nicht auf die Führung geschoben werden.

Prinzip der Beratung: Entscheidung werden nicht mehr hierarchisch getroffen, sondern in einem Beratungsprozess, in dem alle Beteiligten konsultiert werden. Am Ende ist nicht unbedingt Konsens notwendig, sondern die Bereitschaft der Verantwortungsübernahme.

Diese Prinzipien zeigen, welche Möglichkeiten - aber auch welche praktischen Fallstricke - es gibt, um Organisationen und Unternehmen sinnstiftender zu gestalten. Lassen Sie sich von den Beispielen inspirieren, um selbst neue Wege auszuprobieren.

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Literatur:

Laloux, Frederic 2015: Reinventing Organizations: Ein Leitfaden zur Gestaltung sinnstiftender Formen der Zusammenarbeit. München: Vahlen.